Andacht März - Mai 2018

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Die letzten Worte...

„Eine Stimme ist erloschen.“ So heißt es oft in Traueranzeigen. Tote reden nicht mehr.
Um so größer ist die Bedeutung von dem, was ein Mensch als letztes von sich gibt.
Zudem macht der Tod die Menschen oft gesprächig und offen.
Viele, die an der Schwelle zum Tod  standen, berichten, dass dann das ganze Leben nochmal an einen vorbei zieht: Kindheit, Jugend, Erwachsensein, das Alter...
Der Film des Lebens läuft in Teilen vor einem ab. Tatsächlich ist der Tod so etwas wie eine Abschlussbilanz. Und über diese Bilanz kann ich nun auch offen reden,  denken viele. Sicher gibt es auch Menschen, die bis zum Schluss schweigsam sind,
die alles was sie bewegt mit ins Grab nehmen. Aber viele wollen gerade im Sterben reden, wollen die letzte Möglichkeit nutzen um zu sprechen, zumal im Angesicht des Todes Rücksichtnahmen und Konventionen für manchen belanglos werden.  Der Tod macht also ehrlicher.
Nicht nur deshalb haben die letzten Worte eines Menschen oft den Charakter eines Testaments, nach dem Motto: „Das wollte ich noch mitteilen.“
Die letzten Worte bei Philosophen sind oft ein letztes Statement.
So bei dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der im Sterben gesagt haben soll: „Mehr Licht!“
Die Modezarin Coco Chanel erklärte selbstdistanziert „So stirbt man also.“
Der Philosoph und Atheist Jean Paul Satre sagte hingegen: „Ich bin gescheitert.“
Der Autor und Arzt Hans Halter ist der Meinung, dass sich in den letzten Worten oft die ganze Lebenshaltung eines Menschen ausdrückt. In dem Zusammenhang ist es bemerkenswert, welche letzten Worte Jesus wählt: „Es ist vollbracht!“ Joh.19,28
Ist es nicht toll, wenn man das am Ende seines Lebens sagen kann?
Wenn ich sagen kann: Mein Leben war nicht um sonst!
Ich habe meine Bestimmung erfüllt. „Es ist vollbracht!“  ?
Wohl gemerkt: Jesus sagt diesen Satz nicht nach einem langen Leben, friedlichen im Bett sterbend. Jesus ist Anfang-Mitte Dreißig, leidet furchtbare Qualen und hängt als Verurteilter am Kreuz. Und doch: „Es ist vollbracht!“
Doch was hat Jesus nun vollbracht? Welche Bestimmung hat er erfüllt?
Nun das verrät schon der Prophet Johannes am Anfang des Auftretens von Jesus.
Johannes zeigt auf Jesus und erklärt: „Seht! Das ist das Lamm, dass der Welt Sünde trägt!“
Nun muss man wissen: In Israel gab es einen Brauch. Einmal im Jahr wurde ein Lamm genommen und mit Säcken beladen. Die Säcke symbolisierten die Sünden des Volkes.
Dann wurde das Lamm in die Wüste geschickt. Es trug symbolisch die Sünden des Volkes weg. Was dieses Lamm als Zeichen tat,
das tat Jesus real: Er trug die Sünden der ganzen Welt auf seinen Schultern.
Der ganzen Welt: d.h. auch deine und meine. Mit Jesus räumt Gott selbst aus, was zwischen ihm und uns steht.
Jesus ein Opferlamm, ein Sündenbock?  Sicher so eine Aufgabe nicht einfach und keinesfalls schön und doch klingen die letzte Worte von Jesus fast triumphal:
„Es ist vollbracht!“ Denn mit dem Opfer Jesus ist der Weg für alle Menschen frei.
Du kannst nun unbelastet Gott begegnen, mit ihm leben. Ja, du und ich, wir können eine richtige Beziehung mit Gott haben.
Ein Leben mit Gott für dich: Das ist der Sinn der Mission von Jesus und er hat sie vollbracht. D.h. aber auch: Jesus wartet mit seinem „letzten Wort“ auf eine „Antwort“.
Im Sinne von: „Es ist vollbracht! Nun mach was draus! Lass dich auf ein Leben mit Gott ein.“
In diesem Sinne Ihnen  eine gesegnete Passions-und Osterzeit. 

Ihr Pfr. Hannes Koch