Andacht Juni - August 2021

Wer durchschaut mich?

Kürzlich wurde mir auf meiner Facebookseite Werbung für Uhren gezeigt.

Tatsächlich hatte ich kurz vorher mir Armbanduhren bei Amazon angesehen. War das Zufall?

Wohl kaum! Google, Facebook und co. sammeln kräftig Daten über dich und mich.

Da wirkt es merkwürdig, wenn wir einerseits unkritisch im Internet Informationen über uns liefern und auf der anderen Seite in Zeiten der Corona-Pandemie Angst vor der Weitergabe von anonymisierten Infektionsdaten herrscht.

Nun könnte man sich zurücklehnen und denken: „Naja, als Nutzer von kostenlosen Suchmaschinen und digitalen Medien habe ich mich eben darauf eingelassen. Wenigsten kann niemand meine Gedanken lesen. Die Gedanken sind frei…“

Aber auch das stimmt nicht mehr so ganz. In einem Beitrag des Max-Planck-Institutes berichtet John Dylan Haynes, als Leiter der Arbeitsgruppe „Aufmerksamkeit und Bewusstsein“ davon, dass Gedanken doch lesbar werden. Wenn man sich in einen Computertomografen ( die sogenannte „Röhre“) legt, können Bilder vom Gehirn gemacht werden. Auf diesen Bildern erkennen Wissenschaftler bestimmte Muster, die für bestimmte Gedanken stehen.

Dies klappt allerdings nur bei einfachen Gedanken und nur, wenn man sich in einen Computertomografen legt; völlig durchschaubar werde ich damit noch nicht.

Da ist die Aussage des Monatsspruchs herausfordernder.

In 1. Köng. 8,39 heißt es : „Du, Gott, kennst allein das Herz aller Menschenkinder.“

Das Herz: Das war für die Israeliten der Ort der Gedanken.

So sagt dieses Gebet: Gott du allein durchschaust uns, und das total.

Ist das eine erschreckende Vorstellung für Dich?

Immerhin, wer dich durchschaut, der schaut zu dir; der interessiert sich für dich.

Und anders als bei Firmen oder Geheimdiensten, hat Gottes Interesse nichts mit wirtschaftlichen Interessen oder Gründen der Machterhaltung zu tun.

Wenn Gott zu mir schaut, mich durchschaut ist der Grund Liebe.

Und doch besteht die Sorge, wenn Gott mich durchschaut, dann sieht er auch die Seiten an mir, die mir selbst nicht gefallen und Gott sicher erst recht nicht.

Aber das Gebet in 1. Könige 8 spricht zuvor von einem Gott der Gnade, d.h. einen Gott der mir seine Zuneigung schenken will.

Jesus, Gottes Sohn, steht dafür, dass Gott uns auch Gemeinheiten verzeiht, wenn wir ihn darum bitten. Mit Jesus streckt uns Gott seine Hand zur Versöhnung aus.

Die göttlichen Augen, die dich durchschauen, sind dir also wohl gesonnen.

So steht die Aussage vom gedankenlesenden Gott auch im Zusammenhang von Gebeten. Ist es nicht so: Wenn wir uns an Menschen mit einem Anliegen wenden, dann haben wir oft die Sorge, falsch verstanden zu werden. „Begreift sie/er überhaupt mein Problem?“ „Versteht er/sie in welcher Lage ich mich befinde?“ „Konnte ich mich richtig ausdrücken, sodass mein Anliegen klar geworden ist?“ All diese Sorgen brauchen wir uns bei Gott eben nicht machen.

Er kennt deine Gedanken, deine Bedürfnisse, aber auch deine Irrtümer, deine Schwächen.

Gerade weil Gott dich versteht, wird er dir auch gerecht werden. Das scheint mir gerade in einer Welt wichtig zu sein, in der oft die, die sich am besten verkaufen können oder am lautesten schreien gehört werden und die anderen eben nicht. Weil Gott jeden Menschen durchschaut, ist er fair und wird jedem gerecht, der sich vertrauensvoll an ihn wendet. So gesehen ist es nicht erschreckend, sondern sehr beruhigend: Gott durchschaut mich! An ihn kann ich mich beruhigt wenden.

 

Ihr P. Hannes Koch

Andacht März - Mai 2021

„Wenn diese Steine reden könnten?“ Das habe ich mich gefragt, als ich im Urlaub durch eine Burgruine in Baden-Württemberg spaziert bin.

Alte Gemäuer: sie stehen schon lange und waren die Kulisse von Geschichten und Geschichtchen, aber erzählen können die Steine nicht.

Etwas aussagekräftiger sind da schon die Steine auf unserem Friedhof.

Grabsteine: Sie verraten, wer in diesem Grab ruht, wie er/sie hieß, wie alt der/die Verstorbene geworden ist.

Ja und manchmal verraten die Grabsteine auch etwas mehr: Was diese Person glaubte, was sie mochte, welche Beziehungen sie hatte. Man sagt dann Steine sind „stille Zeugen.“

Laute Zeugen waren dagegen die Anhänger von Jesus.

Als vor 2000 Jahren auf einem Esel in Jerusalem einritt, da wollten seine Jünger lautstark klar machen: Leute, hier kommt er: „Der wahre König der Welt!“

Und so rufen sie laut: „Gepriesen sei der König, der im Namen des Herrn kommt. Frieden in der Höhe und Ehre im höchsten Himmel.“

Vielen religiösen Menschen in Jerusalem gefielen diese laute Rufe gar nicht!

Sie befürchteten einen Aufstand des Volkes und eine brutale Reaktion der römischen Bestatzungsmacht.

Doch Jesus antwortete: „Ich sage euch: Wenn meine Jünger schweigen werden, werden die Steine schreien.“ Lk.19,40

Damit wollte Jesus sagen: „Diese Botschaft von mir muss raus! Und wenn ihr meinen Anhängern den Mund verbietet, dann lässt Gott die Steine schreien!“

Aber können Steine denn schreien?

Tatsächlich lässt Gott Steine sprechen: So der Golgatha-Felsen, der Stein auf dem Jesus gekreuzigt wurde.

Golgatha: Das war damals die Müllkippe von Jerusalem.

Dort landet Jesus. Dort starb er für unsere Gemeinheiten, für den „Müll“, den wir in unserem Leben so anrichten.

Die Aussage des Golgahta-Steins lautet im Zusammenhang mit Jesus also: Gottes Sohn landet beim Ausschuss, damit niemand mehr von Gott ausgeschlossen wird.

Egal welchen „Müll“ du erzeugt hast, du kannst ihn loswerden.

Lade ihn bei Jesus ab, bitte ihn und er vergibt dir!

Ja und dann spricht da noch der Stein mit dem das Grab von Jesus verschlossen war.

Dieser Stein fliegt nämlich an Ostern von dem Grab und dabei hat er sicher wirklich Lärm gemacht. Dieser Stein schreit: „Jesus hat den Tod besiegt! Kein Stein kann ihn im Grab halten!“

Jesus hat den Tod besiegt. Das bedeutet: Ich kann auch heute mit Jesus, seinem Einfluss, seiner Hilfe rechnen. Er lebt und ich kann mit ihm leben.

Und wer mit Jesus sein Leben teilt, mit dem teilt Jesus seinen Sieg über den Tod, mit dem teilt Jesus seine Ewigkeit.

Der Golgatha-Felsen und der Grabstein von Jesus: Sie sprechen!

Und was sie sagen: Deckt sich mit den Rufen seiner Jünger:

Mit Jesus kommt der gerechte und himmlische Herrscher. Wer ihm vertraut, hat Grund zum Jubeln!

 

Ihr P. Hannes Koch

Andacht Dezember 2020 - Februar 2021

Wie Weihnachten Dich bereichert...

„Die sind für Weihnachten!“ sagte meine Mutter, als ich als acht Jähriger die Dose mit Lebkuchen in der Hand hielt; es waren feine Elisenlebkuchen, die „guten“ aus Nürnberg. Doch die sollten nicht einfach so „gefuttert“ werden – die waren für Weihnachten reserviert. Weihnachten: Das ist ein Fest in dem man sich gern mal was Besonderes gönnt; auch wenn die Geldbeutel – nicht zuletzt durch Corona – in diesem Jahr schmaler sind. Zudem erhoffen sich nicht nur Kinder eine „reiche“ Bescherung. Nun ich gönne jedem einen „reich“ gedeckten Tisch und bereichernde Gaben unter dem Tannenbaum! Aber unabhängig von Essen und Geschenken macht uns Weihnachten reich.

So schreibt es der Apostel Paulus: „Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: obwohl er reich ist, wurde er doch arm um euretwillen, damit ihr durch seine Armut reich werdet.“ 2.Kor. 8,9.
Ärmlich: So kam Jesus tatsächlich auf die Welt. Jesus lag wohl als Baby in einem Stall, sicher aber in einem Futternapf. Das war selbst für menschliche Verhältnisse arm. Bedenkt man aber, dass Jesus Gott in Menschengestalt ist, wird deutlich, wie arm er sich gemacht hat: Er gibt seine Allmacht auf und wird ein kleines, schwaches Baby. Er tauscht die Herrlichkeit des Himmels gegen einen stinkenden Stall. An Weihnachten macht sich Jesus arm; auch deshalb spenden Menschen gerade auch in der Advents-und Weihnachtszeit an Bedürftige. Doch nun heißt es: Jesus macht sich arm um uns reich zu machen.

Wie soll das gehen? Womit macht uns Jesus reich?
In einem modernen Weihnachtslied heißt es: „Reichtum, Ehre, Karriere, Einfluss, Macht und Geld, all das suchen wir und sind doch einsam in der Welt. Wir sind nie zufrieden, nein wir wollen immer mehr und doch bleiben unsere Herzen leer.“
Einsamkeit: Jesus kam auf die Erde um unsere innere Einsamkeit zu beenden. Seit Weihnachten gilt: Nie mehr allein! Du musst mit nichts mehr alleine fertig werden. Jesus ist bei dir, nur ein Gebet entfernt. Er wird dir beistehen.
Leere Herzen: Auch wenn Geschenke eine kurze Freude schenken, auf Dauer geben sie keine Zufriedenheit, füllen nicht unser Herz. Doch wenn aber Gott unser Herz beeinflusst, dann schenkt er inneren Frieden, Erfüllung, bleibende Freude.
Das ist er: der Reichtum von Weihnachten.
Wer die Verbindung zu dem aufnimmt, der sich an Weihnachten für uns arm gemacht hat, der wird reich!

Ihr P. Hannes Koch

Andacht September - November 2020

Freiheit – nicht nur in Coronazeiten

Viele erlebten in den vergangenen Monaten eine kaum gekannte Einschränkung von Freiheiten. Menschen durften nicht in Geschäfte und Cafés. In Lebensmittelhandlungen bestand und besteht eine Maskenpflicht. Bis heute sind Konzerte nur mit sehr großen Einschränkungen möglich. Auch in unserer Gemeinde darf bis heute nicht im Gottesdienst gesungen werden, Gruppen und Kreise nur unter Hygienevorschriften stattfinden.

Auch wenn viele Maßnahmen mittlerweile gelockert wurden, viele Maßnahmen gelten weiter: Die Versammlungs- und Reisefreiheit ist weiter eingeschränkt und wie vereinzelte Ausbrüche von Covid-19 zeigen auch zu Recht.

Doch was ist eigentlich „Freiheit“?

Sicher haben wir viele Freiheiten, zugleich fühlen wir uns abhängig von Menschen, die unser Leben beeinflussen: Vorgesetze, Eltern, Lehrer und und und. Manche fühlen sich durch eine Krankheit in ihrer Freiheit eingeschränkt. Wer kann schon tun und lassen, wozu er Lust hast. Und selbst wenn er/sie das kann. Ist das Freiheit? Wenn ich nur das tue, was ich will, bin ich dann nicht wieder abhängig von meinen Launen, Süchten, Gefühlen?

Jesus hat mal gesagt: „Wenn euch der Sohn (damit meinte Jesus sich selbst, den Sohn Gottes) frei macht, dann seid ihr wirklich frei.“ Joh.8,36

Wie Jesus frei macht? Nun diese Aussage stammt ja nicht nur von einer Person der Vergangenheit. Jesus ist auferstanden. Er lebt: D.h. Er befreit heute aktiv.

Und wie tut er das? Nun Jesus befreit mich zum einen von dem Druck mich selbst darstellen zu müssen, nach Anerkennung zu streben, weil er so wie ich bin, ohne wenn und aber „Ja“ zu mir sagt. Zudem befreit mich Jesus von meiner Schuld. Viele Menschen laufen mit verdrängter Schuld herum.

Durch seinen Tod am Kreuz bietet uns Jesus Vergebung an. Durch ihn werde ich die „Altlasten“ los. Weiter befreit Jesus aber auch als Heiler von inneren Verletzungen. So erklärt Peter Schalk nach Demütigungen in seiner Kindheit: „Jesus hat mein kaputtes Herz gesund geliebt.“

Schließlich befreit mich Jesus von Existenzsorgen, weil er mir seine Hilfe, seine Kraft verspricht und ich diese auch erleben kann.

Die innere Freiheit, die Jesus schenkt hat für mich Andi Weiss in Anlehnung an ein Bibelzitat ausgedrückt: „Ich bin gewiss, dass weder ein Virus, noch eine andere Krankheit, weder Langeweile oder Einsamkeit, weder soziale Distanz, noch Kurzarbeit, weder drohende Insolvenz, noch kräfteraubendes Homeschooling, weder fehlendes Klopapier noch Fake News bei Facebook, weder große Krise, Angst, Zweifel, oder selbst der Tod mich trennen können von der Liebe Gottes die ich durch Jesus habe.“ (Nach Röm.8)

Ihr P. Hannes Koch