Andacht März - Mai 2016

Alles in Liebe

„Liebe“: Das ist eines der größten Themen der Menschheit.

Die Liebe wird besungen und vor allem für sich selbst ersehnt.

Zugleich erleben wir täglich wie lieblos Menschen miteinander umgehen. Im Umgang miteinander haben wir ein „Liebesdefizit“.

Doch was ist „Liebe“ überhaupt? Die einen verwechseln Liebe mit Lust, andere verbinden mit Liebe Gefühlsduselei. Und viele denken: Liebe bedeutet, dass man alles gut heißt und abnickt, was ein anderer macht. Nach dem Motto: „Nur keine Kritik üben, das wäre lieblos!“

Tatsächlich ist das ständige Meckern und Lästern, dass für viele zum Alltag gehört, nicht liebevoll sondern meist gehässig.

Doch wenn ich jemanden wirklich liebe, dann werden ich ihm sagen, wenn er Fehler macht. Denn nach Dr. J. Harl gilt: „Wahre Liebe ist auch eine Entscheidung“, d.h. Liebe ist in erster Linie kein Gefühl, sondern ein „Ja,“zu einer Person. So erklärt auch der Psychologe Fritz Riemann: „Liebe ist der Wunsch dem anderen Gutes zu tun!“ Liebe ist demnach nicht nur ein Fühlen sondern vor allem ein Handeln. Für mich ist der Inbegriff dieser Liebe Jesus Christus. Jesus sagt „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe.“ Johannes 15,9

Jesus weiss sich von seinem Vater geliebt. Gott liebt also nicht nur seine Geschöpfe. Er bildet selber eine Liebesgemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Wie Gottes Liebe aussieht erkennen wir aber vor allem durch Jesus.

Nicht nur, dass sich Jesus den Menschen liebevoll zugewandt hat.

Jesus hat Außenseiter/innen angenommen. Er hat Seelen und Körper geheilt, Hoffnung gegeben.

Nein vor allem ist Jesus für die Schuld der Menschen in den Tod gegangen. Am Kreuz bezahlt Jesus in seiner Liebe, für alle unsere Lieblosigkeiten. In dem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass Jesus nach seiner Auferstehung seine Wundmale vom Kreuz behalten hat.

Diese Wundmale machen deutlich: Jesus bleibt der, der sich in seiner Liebe für uns einsetzt, der uns Gutes tun will.

Allerdings wartet Liebe immer auf Erwiderung. Das gilt auch für die Liebe Gottes.

So fordert Jesus: „Bleibt in meiner Liebe!“ D.h. zunächst:

Nimm Gottes Liebe an, tritt ein in den Liebesbund Gottes.

Wenn wir dies tun, wenn wir uns von Gott lieben lassen, dann werden wir selber diese Liebe weiter geben an andere.

In diesem Sinne: Einen liebevollen Frühling!

Ihr

P. Hannes Koch

Andacht Dezember 2015 - Februar 2016

Frohe Weihnachten!“ ???

Das ist so der Gruß, den man in den nächsten Wochen wieder häufiger hört: „Fröhliche Weihnachten!“, ein „frohes Fest“! Aber warum soll ich mich an Weihnachten freuen? Klar da sind die Geschenke, über die sich vor allem die Kinder freuen.

Da ist endlich mal Zeit über die Feiertage mit der Familie was zu machen oder einfach nur auszuspannen.

Einige mögen sich auch auf das gemütliche Wohnzimmer mit weihnachtlicher Atmosphäre freuen. Aber wie froh macht uns das alles wirklich und für wie lange? Schauen wir nur mal in diesen Tagen in die Gesichter unserer Mitmenschen oder in den Spiegel: Da sehen wir eher Sorgenfalten als fröhliche Zuversicht.

Augen, die eher ausdruckslos als freudestrahlend sind.

Viele meinen ja auch: „Zur Fröhlichkeit brauche ich Alkohol!

Der macht locker und lustig.“ Was aber ist das dann eigentlich: „Weihnachtsfreude“? Im Buch des Propheten Jesaja wird das Volk Israel aufgefordert: „Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen. Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.“ Jesaja 49, 13

Der Prophet nennt hier einen Grund für Fröhlichkeit und Freude: Gott und seine Zuwendung. Gottes Zuwendung: Das ist das große Thema von Weihnachten. Denn an Weihnachten bekommt Gottes Zuwendung wörtlich Hand und Fuss. Gott wendet sich uns zu durch seinen Sohn Jesus, der als Mensch auf die Erde kommt.

Ob auf Märkten, Weihnachtsfeiern, unterm Tannenbaum oder auf der Kanzeln: Wer an Weihnachten nicht von Gottes Zuwendung spricht, der verfehlt das Thema dieses Festes.

Und wie erfahre ich diese Zuwendung heute?

Bei Jesaja heisst es: „Er tröstet sein Volk.“

Und das tut er auch heute und nicht nur mit Worten.

Eine kluge Frau sagte mal: Seit Weihnachten sind meine Bedürfnisse Gottes Angelegenheiten. Wenn ich Jesus vertraue und ihn bitte, darf ich mit seiner Hilfe rechnen.

Weiter heißt es bei Jesaja: Er erbarmt sich der Elenden. In diesen Tagen denke ich dabei an die Bilder eines kleinen Flüchtlingskindes, dass sich entkräftet und unterkühlt durch den Matsch kämpft.

Jesus hat ausdrücklich seinen Anhängern gesagt: „Helft in meinem Namen!“ Und diese Hilfe geschieht, vor unseren Augen!

So kann ich heute erleben: Es weihnachtet sehr! Durch Jesus erreicht uns Gottes Zuwendung und das macht fröhlich!

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Ihr P. Hannes Koch

Andacht September-November 2015

Einfach kindisch?“

„Kinder, Kinder“: Deutschland hat z. Zeit die niedrigste Geburtenrate weltweit. Die wenigen Kinder, die da sind werden dann oft sehr, manchmal überbehütet. Woran liegt es, dass immer weniger Lust am Kind haben? Eine zentrale Frage ist sicher, die nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wobei gerade das Großziehen von Kindern kein „Hobby“ sondern eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe ist.  Manchmal werden Kinder allerdings in den Medien als „kleine Monster“ dargestellt. Es wird so getan, als seien  Kleinkinder vor allem nervige Tyrannen, die alle in ihrer Umgebung terrorisieren. Aus diesem Grund sprechen wir bei naiven und uneinsichtigen Verhalten von „kindischem“ Benehmen. Auf der anderen Seite werden Kinder in den Himmel gehoben. Kinder seien „unschuldig“ und gut. Erst die Gesellschaft würde sie  „verderben“.   Und so singt  Herbert Grönemeyer: „Gebt den Kindern das Kommando“. Ganz ähnlich scheint sich Jesus zu äußern, wenn er seinen Anhängern sagt: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ Mt.18,3. Was meint Jesus damit? Sieht er die Kinder wirklich als die besseren, noch unverdorbenen Menschen an? Nun: Auf jeden Fall war Jesus sehr kinderlieb. Die Kinder durften immer zu ihm kommen und Jesus war überzeugt, dass die Kinder „Schutzengel“ haben.

Auf der anderen Seite sieht Jesus die Kinder realistisch. So wie es schon die Erfahrung lehrt: Die lieben Kleinen, können sehr wohl egoistisch und fies sein, wie die Großen eben auch.

Und doch gibt es Eigenschaften, die Kinder Erwachsenen oft voraus haben. Z.B.: Kinder lassen sich noch gerne beschenken und nehmen lieber Hilfe an. Vielleicht sind Kinder hier offener, weil sie eben wissen, dass sie auf Geschenke und Hilfe angewiesen sind.

Erwachsene glauben dagegen sie können alles selber erwerben und schaffen. Gerade das Erntedankfest macht uns deutlich: Das wir vieles zu verdanken haben: Unser Leben, unsere Gesundheit, eine gute Ernte, ja überhaupt den Ertrag in unserem Leben. Wir sind auch als Erwachsene auf Hilfe angewiesen: Wir brauchen Rat für unsere Entscheidungen. Wir brauchen Kraft um unsere Aufgaben zu bewältigen. Wir brauchen Segen, damit unsere Arbeit auch erfolgreich ist.

All das kann uns Gott schenken, wenn wir ihn bitten. Aber tun wir das, oder sind wir dazu zu stolz? Oder trauen wir Gott Hilfe gar nicht zu?

Damit hängt eine zweite Eigenschaft zusammen, die  Kinder häufiger haben als Erwachsene. Kindern fällt es leichter sich jemanden anzuvertrauen.

Ein Kind fühlt sich im Arm der Mutter geborgen. Es würde nicht auf die Idee kommen, fallen gelassen zu werden. So können wir uns auf Gott verlassen, sagt Jesus. Schließlich: Wenn sie einem Kind etwas versprechen, geht es davon aus, dass sie ihr Versprechen auch halten. Genau so sollen wir Gott beim Wort nehmen. Dabei verspricht uns Gott nicht das Blaue vom Himmel, aber dass uns der Himmel offen steht und er für uns sorgt.

Darauf können wir uns verlassen, nicht „kindisch“ aber „kindlich“.

Ihr Pfr. Hannes Koch

Andacht Juni-August 2015

Was kann ich rausholen?

„Saftpressen“ ist ein neuer Tick von mir.  Ich presse Zitronen und Orangen und mache mir und meinen Kindern so frischen Orangensaft oder Zitronenlimonade. Das ist nicht nur lecker, sondern auch gesund. Dabei will ich immer möglichst viel Saft aus der Frucht herauspressen. Ich drücke so lange in die Saftpresse bis nichts mehr geht.

Leider hat man manchmal den Eindruck, dass  Menschen wie Früchte behandelt werden: Man presst sie aus, so in Bangladesch bei der Billigproduktion von Textilien oder auf den Baustellen in Katar für die WM dort. Zu Recht werden solche Praktiken scharf kritisiert.

Aber wenn wir Menschen nicht auspressen oder ihnen etwas abpressen dürfen, dann erst recht nicht Gott, oder?

In diesem Zusammenhang gibt es in der Bibel eine  seltsame Geschichte.

Am Fluss Jabbok kommt es zu einem Ringkampf.

Der eine Kämpfer ist Jakob und sein Gegner kein geringerer als Gott selbst. Doch das weiß Jakob nicht. Der Ringkampf geht die ganze Nacht.  

Doch Jakob hört nicht auf. Er sagt seinem Gegner:

„Ich lasse dich nicht gehen, wenn Du mich nicht segnest!“ (1.Mose. 32,27)

Tatsächlich segnet Gott ihn. Hat Jakob nun Gott also etwas abgerungen, abgepresst? Nun: Jeder der an Gott glaubt, weiss auch, dass man mit ihm nicht kämpfen kann. Gegen den Allmächtigen antreten: Das wäre wohl ein aussichtsloser Kampf.

Also ist dieser Ringkampf nur eine altertümliche Geschichte, die mit unserem Gottesbild heute nichts mehr zu tun hat? Nein! Auch Jesus fordert uns auf, mit Gott zu ringen, und zwar im Gebet.

Gebet ist demnach ein Ausdauersport, wo man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen sollte. Gott ist eben nicht der Autoschalter eines Schnellimbissrestaurants, wo man seine Bestellung aufgibt und nur drei Meter weiterfährt um sie sich abzuholen.

Aber Gott lässt sich gerne etwas abringen, ohne dabei seine Überlegenheit und Entscheidungsfreiheit zu verlieren. Nun Jesus fordert uns immer wieder auf, mit Gott im Gebet zu ringen! (vgl. LK.18,1ff). Er erzählt von einer arme Frau, die hartnäckig einen Richter nervt um ihr Recht zu bekommen. Der Richter ist bestechlich und das Recht der Frau interessiert ihn nicht. Doch weil diese Frau ihm auf den Wecker geht, gibt der Richter ihr am Ende Recht.

„Gott ist gerecht“, sagt Jesus und er hat großes Interesse an uns, deshalb dürfen wir mit Gott ringen. Wir brauchen keine Angst haben Gott auf die Nerven zu gehen. Nein, Gott hat eher ein Problem damit, dass wir von ihm nichts erwarten und ihn anschweigen. Dagegen sind unsere  Gebete für Gott keine Störung, sie sind willkommen. Auch wir dürfen sagen: Ich lass dich nicht gehen, wenn Du mich nicht segnest! Gott, ich lass nicht locker, bis du etwas in meinem Leben bewegst. D.h. nicht, dass Gott alle Wünsche erfüllt, aber mit seinem Segen, seiner positiven Kraft in unserem Leben dürfen wir hartnäckig erbitten und dann erwarten.

Ihr Pastor Hannes Koch