Andacht Dezember 2016 - Februar 2017

Warten...

Es war kurz nach 23:00 Uhr, da kam noch ein Patient. Er wollte ein Schmerzmittel. Die Nachtschwester musste ihm sagen, dass er seine Dosis bereits erhalten hatte.

Der Patient wird wütend, doch der Schwester gelingt es, ihn zu beruhigen. Nach einer kurzen Diskussion geht der Patient wieder auf sein Zimmer.

Es wird nicht der letzte Einsatz für die Nachtschwester gewesen sein.

Nachdem sie sich gerade in einem Ruheraum hingelegt hatte, klingt die Notglocke.

Einer Patientin geht es auf einmal deutlich schlechter.

Die Nachtschwester spricht mit der Kranken und ruft dann schnell einen Arzt an.

Bis der Zustand der Patientin sich stabilisiert, vergehen weitere zwei Stunden.

Es ist mittlerweile 4 Uhr morgens. In vier Stunden wird die Nachtschicht der Krankenschwester enden. Solange muss sie noch durchhalten.

Die Krankenschwester, nennen wir sie Susanne, arbeitet in einer Entzugsklinik für Alkoholkranke, viele ihrer Patienten haben zu- dem bereits schwerste Organschäden und sind zum Teil todkrank. Diese Menschen zu betreuen kostet Kraft, vor allem nachts.

Jede zweite Woche hat Susanne auf ihrer Station Nachtdienst und jedesmal ist sie froh, wenn die Nacht und ihre Schicht um ist, sie „Feiermorgen“ hat.

Nachts arbeiten, das tun mehr Menschen als wir denken: Polizisten und-innen, Pflegerinnen, Ärzte, Mitarbeiter/innen im Hotelgewerbe, verschiedene Notdienste, manche Männer und Frauen in der Industrie. Und ihre Nachtschicht kann sehr anstrengend und lang sein. Nachtschicht: Die hatten auch die Stadtwächter im alten Israel, die die Mauer Jerusalems bewachten.

Wie alle Nachtarbeitenden konnten sie es gar nicht abwarten bis die Sonne aufging und ihr Dienst beendet war. Darauf spielt auch ein Vers aus Psalm 130 an. Hier betete jemand: „Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen.“Ps.130,6

Mit anderen Worten: Wie einer auf Nachtschicht auf den Morgen wartet, so kann ich es kaum abwarten, dass Gott in mein Leben eingreift, dass Gott mir hilft.

Aus dem Zusammenhang wird dann deutlich:

Der Beter empfindet sein ganzes Leben als eine Art „Nachtschicht“: Es wird in seinem Leben irgendwie gar nicht mehr hell und nun hofft er auf Gott.

Dass diese Hoffnung nicht vergeblich ist, dass wir nicht vergeblich auf Gott hoffen, dass macht uns Gott an Weihnachten deutlich.

An Weihnachten zeigt uns Gott, dass er sich für uns interessiert, dass wir ihm nicht gleichgültig sind.

Denn mit der Geburt von Jesus kommt Gott in unser Leben. An Weihnachten kommt Gott in unsere „Nacht“.

Es mag sein, dass auch wir sehnsüchtig auf Gottes Hilfe warten müssen, aber wenn wir ihn bitten und ihm vertrauen, dann warten wir nicht vergeblich.

Die Krankenschwester Susanne hat übrigens immer noch jede zweite Woche Nachtdienst. Doch die überzeugte Christin betet vor ihrem Dienst und erfährt immer wieder, wie Jesus ihr Kraft für ihre Arbeit gibt.

Sie sagt selber, dass Jesus ihr Leben hell macht, auch in der Nachtschicht. Warten auf Gott, lohnt sich.

In diesen Sinne Ihnen eine gesegnete Advents-und Weihnachtszeit.

 

Ihr P. Hannes Koch

Andacht September - November 2016

Einfach anziehend!

Finden Sie sich liebenswert? So dass Sie denken: „Also, wer mich sieht, wer mich kennt, der muss mich einfach mögen?“ Die wenigsten tun das. Vielleicht liegt es daran, dass wir mit unserem Äußeren nicht zufrieden sind oder dass wir unsere Charakterschwächen und unsere Fähigkeiten als eingeschränkt wahrnehmen. Da ist ein Teenager, dem seine Nase zu gross ist. Da ist eine Frau mittleren Alters, die sich für zu „weich“ hält.

Da ist ein älterer Mann, dem seine Kräfte immer mehr schwinden. So unterschiedlich diese Menschen alle sind, sie alle halten sich für nicht besonders attraktiv.

Dieses Empfinden hatte auch das Volk Israel vor 2500 Jahren.

Der nördliche Teil des Landes war von der assyrischen Supermacht überrannt worden. Sie wurden ihrer Heimat vertrieben. Viele waren Flüchtlinge, so wie heute viele auf der Welt. Nicht wenige dieser Israeliten dachten: „Wir sind Habenichtse, wer mag uns schon? Wir sind unattraktiv!“

Für mich nicht!“ erklärt Gott durch den Propheten Jeremia.

Im Gegenteil: „Ich habe dich ewig lieb! Darum habe ich dich zu mir gezogen aus Zuneigung.“ M.a.W. ich finde Euch anziehend und möchte, dass ihr meine Liebe spürt.

Diese Zusage Gottes gilt heute auch uns. Dadurch, das Gott durch Jesus Mensch wurde und für uns Menschen litt, versichert Gott jedem Menschen seine Liebe und das für immer.

Vieles von dem wir glauben, das es uns wertvoll und liebenswert macht, wird mit der Zeit vergehen oder wir verlieren es: Schönheit, Status, Kraft.

Gott dagegen sagt: „Meine Liebe verlierst Du nicht! Ich habe dich für immer lieb!“ Allerdings können wir Gottes Liebe ignorieren und damit ablehnen, weil wir denken, dass wir sie nicht nötig haben.

Wer sich dagegen Gottes Liebe anvertraut und sie erfahren hat, der möchte sie nicht mehr missen. Denn Gottes Liebe ist spürbar.

Wörtlich heißt es bei Jeremia: Gott lässt sich blicken, blicken in unserem Leben. D.h. ich erlebe, wie seine Liebe mich trägt und mich stark macht. In seiner Liebe gibt mir Gott Kraft für meinen Alltag. In seiner Liebe verändert er mich. Durch kleine und große Wunder erfahre ich: „Gott zieht mich in seiner Liebe zu sich!“ Wenn Sie das erlebt haben, dann zeigen Sie doch anderen Menschen, dass Gottes Liebe auch ihnen gilt. Sagen sie gerade den Menschen, die sich selbst unattraktiv fühlen: „Im Namen Gottes, lass Dich drücken!“

 

Liebe Grüße

Ihr P. Hannes Koch

Andacht Juni - August 2016

Was mich stark macht...

Die Ameise ist nicht nur fleißig, sie ist ein „Kraftprotz“. Tatsächlich kann die Ameise das 100fache ihres eigenen Körpergewichts heben. Das wäre so, als wenn ein erwachsener Mensch sein Auto hoch heben würde. Nun wird von uns meist gar nicht so viel Muskelkraft verlangt. Heute bestimmen wir „Stärke“ eher als Macht.

Viele erleben: Wer mehr Einfluss und mehr Geld hat, der setzt sich am Ende eben auch durch.

Eine ganz andere Erfahrung spricht aus einem Vers aus der Bibel:

Dort heißt es: „Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“ 2.Mose 15,2

Hintergrund ist die wunderbare Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten. Da verfolgt eine gut ausgebildete und top-ausgerüstete ägyptische Militärmacht einen Haufen wehrloser Sklaven.

Eigentlich eine klare Sache, wer hier der Stärkere ist.

Und doch: Am Ende ertrinken die Soldaten des Königs von Ägypten und die Israeliten werden durch Gott gerettet.

Diese Rettung hat sich in das Gedächtnis Israels eingebrannt. Die Erfahrung: Gott ist stärker als alles was mich bedrückt.

Deshalb gilt: Gott, meine Beziehung zu ihm: Das ist meine Stärke.

Eine Stärke, die wir heute ebenso brauchen, wie die Israeliten vor 4000 Jahren. Sicher: Wir leben in einem freien Land und sind hier in Deutschland einigermaßen sicher. Und doch:

Auch wir haben Dinge, die uns belasten, vielleicht auch Menschen, die uns bedrücken, Mächten denen gegenüber wir uns vergleichsweise schwach oder sogar machtlos vorkommen.

Durch Jesus Christus will der Allmächtige uns beistehen.

So jubelt der Apostel Paulus mit den Worten:

„Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Er hat sogar seinen Sohn (Jesus) für uns eingesetzt...“ Paulus ist davon überzeugt, dass der die besten Beziehungen hat, der mit Gott in Verbindung steht.

„In Verbindung“: Das ist mehr als bloß an die Existenz Gottes glauben. Wer mit Gott verbunden ist, der gehört zu ihm.

Wer mit Gott verbunden ist, der ist im Gespräch mit ihm, der hört auf Gottes Worte und spricht mit ihm im Gebet.

Die Verbindung zu Gott ist eine unerschöpfliche Kraftquelle.

Diese Kraftquelle lässt Gräfin Daisy von Arnim auftanken, wenn sie die Arbeit auf dem Gutshof stark strapaziert. Die Verbindung zu Gott stärkt Samuel Koch, der jeden Tag mit seiner Querschnittslähmung kämpft.

Egal, wie unsere Lebensumstände sind, wenn wir den Kontakt zu Gott halten, können auch wir leben: Gott macht mich stark! Er lässt mich erleichtert singen. Er rettet mich!

Ihr P. Hannes Koch

Andacht März - Mai 2016

Alles in Liebe

„Liebe“: Das ist eines der größten Themen der Menschheit.

Die Liebe wird besungen und vor allem für sich selbst ersehnt.

Zugleich erleben wir täglich wie lieblos Menschen miteinander umgehen. Im Umgang miteinander haben wir ein „Liebesdefizit“.

Doch was ist „Liebe“ überhaupt? Die einen verwechseln Liebe mit Lust, andere verbinden mit Liebe Gefühlsduselei. Und viele denken: Liebe bedeutet, dass man alles gut heißt und abnickt, was ein anderer macht. Nach dem Motto: „Nur keine Kritik üben, das wäre lieblos!“

Tatsächlich ist das ständige Meckern und Lästern, dass für viele zum Alltag gehört, nicht liebevoll sondern meist gehässig.

Doch wenn ich jemanden wirklich liebe, dann werden ich ihm sagen, wenn er Fehler macht. Denn nach Dr. J. Harl gilt: „Wahre Liebe ist auch eine Entscheidung“, d.h. Liebe ist in erster Linie kein Gefühl, sondern ein „Ja,“zu einer Person. So erklärt auch der Psychologe Fritz Riemann: „Liebe ist der Wunsch dem anderen Gutes zu tun!“ Liebe ist demnach nicht nur ein Fühlen sondern vor allem ein Handeln. Für mich ist der Inbegriff dieser Liebe Jesus Christus. Jesus sagt „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe.“ Johannes 15,9

Jesus weiss sich von seinem Vater geliebt. Gott liebt also nicht nur seine Geschöpfe. Er bildet selber eine Liebesgemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Wie Gottes Liebe aussieht erkennen wir aber vor allem durch Jesus.

Nicht nur, dass sich Jesus den Menschen liebevoll zugewandt hat.

Jesus hat Außenseiter/innen angenommen. Er hat Seelen und Körper geheilt, Hoffnung gegeben.

Nein vor allem ist Jesus für die Schuld der Menschen in den Tod gegangen. Am Kreuz bezahlt Jesus in seiner Liebe, für alle unsere Lieblosigkeiten. In dem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass Jesus nach seiner Auferstehung seine Wundmale vom Kreuz behalten hat.

Diese Wundmale machen deutlich: Jesus bleibt der, der sich in seiner Liebe für uns einsetzt, der uns Gutes tun will.

Allerdings wartet Liebe immer auf Erwiderung. Das gilt auch für die Liebe Gottes.

So fordert Jesus: „Bleibt in meiner Liebe!“ D.h. zunächst:

Nimm Gottes Liebe an, tritt ein in den Liebesbund Gottes.

Wenn wir dies tun, wenn wir uns von Gott lieben lassen, dann werden wir selber diese Liebe weiter geben an andere.

In diesem Sinne: Einen liebevollen Frühling!

Ihr

P. Hannes Koch